2019 Aidabella 1


 

 

Norwegen und das Nordkap stand auf meiner Reiseliste ganz oben, nur die Preise für Schiffsreisen waren für mich als Einzelreisenden bisher zu hoch. Im Juni bekam ich von meinem Schiffsreisen-Reisebüro ein sehr gutes Angebot, das ich nach kurzer Überlegung auch annahm.

Die Reise war herrlich und voller neuer Eindrücke, laßt euch mitnehmen, denn geteilte Freude ist doppelte Freude.

14.07. Anreise Plochingen - Kiel

Ruhige und gemütliche Bahnfahrt, mit Taxi zum Europa-Kai. "Mein Schiff 4" und die "Aidabella" lagen dort neben-einander, das einchecken war problemlos, die Kabine 8442 war schnell gefunden, eine Innenkabine ohne Fenster (!).

Die Bella ist ein Schwesterschiff der Aidamar, dadurch war der erste Rundgang und die Orientierung sehr einfach, mein Gepäck war auch irgendwann da, das Auspacken und Einrichten war kein Problem, als Allein-Kabinen-Nutzer hat man reichlich Platz.

Gegen 18:00 wurde die vorgeschriebene Notfallübung mit Schwimmwesten auf Deck 5 durchgeführt.

Das erste Abendessen an Bord, mir kam die Qualität besser vor, zumindest die Käseauswahl war deutlich größer und besser, der Tischwein war auch gut. Auf dem Pooldeck gab es mit "Leinen los" die Auslaufzeremonie, dann am Marinedenkmal vorbei und schon waren wir in der Ostsee. Ich genoß am Heck mein erstes Weizenbier und ein Zigarillo, der Urlaub konnte beginnen.

Später am Abend noch ein Rundgang durchs Schiff, Welcome Party auf Deck 11 mit Sekt und guter Stimmung, danach noch eine Lasershow. Aber mir war es genug, ich verzog mich in die Kabine und war ganz froh über den ersten Tag, denn es lief alles ganz gut.

15.07. Seetag

Ich habe sehr gut geschlafen, bis kurz vor 9:00, es war nichts von der Maschine und den Gästen zu hören, eine ruhige Fahrt, das Frühstück war auch gut, eine gute Auswahl beim Käse und Brot, alles prima.

Ich suchte mir an Deck einen windgeschützten Platz und wickelte mich in eine Decke ein, die Temperatur lag bei 14 Grad. ich hörte schöne Musik und studierte erstmal die vielen Infos und Veranstaltungsangebote, die ich gestern bekommen hatte, danach begann ich mein Logbuch zuschreiben,

Gegen Mittag passierten wir Skagen, die nördlichste Stadt von Dänemark, nur ab und zu sah man ein Schiff, es ist heute nicht viel los im Kattegat, zwischen der Ost- und Nordsee.

Abends, in der täglichen "Schmidtis Primetime Show" wurde der Kapitän vorgestellt und interviewt. Dabei erzählte er von Schneelawinen und Schneemännern auf der Bella während einer Winterfahrt zum Nordkap.

103 16.07. Haugesund

Der erste Stop in Haugesund, einer kleinen Hafenstadt im Südwesten von Norwegen. Das hier ist Wikingerland, hier siedelten vor 1000 Jahren die Wickinger. Von hier zogen sie hinaus aufs Meer um andere Länder und Städte zu überfallen, zu erobern und zu besiedeln. Sie kamen bis England, Island, Grönland und Nordamerika. Die gesamte europäische Küste war vor den Wikingern nicht sicher, aber auch entlang den Flüssen kamen sie bis Paris, Hamburg und Mainz. Das Mittelmeer wurde von Spanien bis Istanbul beraubt, ebenso wurden die russischen Städte an den großen Flüssen von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer nicht verschont. Ein starkes und wildes Volk, das aber auch durch Schiffsbautechnik, Navigation und Handwerkstechniken, sowie mit einer ersten Gesetzgebung und Mitbestimmung aller freien Männer bekannt wurde.

Haugesund war von 100 Jahren ein Zentrum der Heringsfischerei, heute hat es sich als wichtiges Versorgungszentrum der vielen Ölbohrinseln entwickelt, die hier vor der Küste in der Nordsee stehen.

Ich buchte keinen der angebotenen Ausflüge in die nähere Umgebung, ich wollte die Stadt anschauen. Der Weg in die Stadt war nicht weit, sie wirkte vormittags um 10:00 noch etwas verschlafen, die meisten Läden waren noch geschlossen. Die Stadt liegt z.T. auf mehreren Inseln in einem schmalen Fjord und hat eine sehr abwechlungsreiche Bebauung. Viele alte Holzhäuser, schmucke Einfamilienhäuser an den Hängen, große Villen aus der Jahrhundertwende, und auch viele moderne Geschäftshäuser und Wohnanlagen. 

Direkt am Pier hatte ein altes, grosses Segelboot festgemacht. Die Mannschaft machte "klar Schiff" und ich kam mit dem Skipper ins Gespräch. Sie kamen aus Kiel und segeln weiter über Bergen bis nach Island und auch wieder zurück. Eine tolle Leistung! Hier am Pier gab es große Läden für Fischereibedarf. Für mich als alte Landratte war das sehr spannend, was da alles für die Fischerei notwendig und wichtig ist. Da fand ich auch gleich ein paar schöne Souvenirs.

Weiter ging ich über eine weit geschwungene Brücke auf eine Insel, die auch ein Teil des Hafens war. Dort gab es ein sehenswertes Fischerdorf-Museum, in dem man die damalige Wohn-und Arbeits-Situation der Heringsfischer sehen konnte. Eine nette Dame führte durch das kleine Dorf und erzählte von den damaligen Zeiten. Die alten, offenen Fischerboote konnte man auch sehen, mit denen die Fischer tagelang hinaus aufs Meer fuhren. Eine Leistung, die man bei oft meterhohen Wellen bewundern muss. 

Die lange Fussgängerzone von Haugesund war dann leider etwas entäuschend. Es gab einige Pizza-, Dönner- und Chinakneipen, aber ein nettes Cafe mit einem leckeren Angebot habe ich leider nicht gesehen. Das ist in den anderen Hafenstaedten deutlich besser. Ach ja, an die Preise muss man sich auch erst gewoehnen, ein kleines Bier kostet ca. 10 Euro.

Am Nachmittag ging ich wieder zurück zur "Bella" und stärkte mich in der Almhütte mit deftiger bayrischer Kost. Hier gab auch bayrisches Bier aus dem Allgäu!!!

Abends war das "Leinen los" Manöver und das Auslaufen in die Abendsonne ein sehr schönes Erlebnis. Wir werden nun 3 Seetage bis zum Nordkap unterwegs sein. Das Wetter soll schön bleiben, sagte der Kapitän und der muss es ja wissen.

 

 

 

 

Noch ein kleiner Schiffsrundgang und etwas Wein, Käse und Obst, dann war Feierabend.

 

 

Bis bald  -  Ecki